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„Kyrill” wirbelt Kölner Alltag durcheinander






Der Orkan „Kyrill“ wirbelte den Kölner Alltag durcheinander. Die Retter waren im Dauereinsatz, um Schäden zu beseitigen. Einigen Mutigen bescherte das Unwetter aber auch ungewohnten Sportspaß.
„Kyrill“ machte die Dom-Umgebung gestern zur Sperrzone. Weil Gebäude- und Gerüstteile vom Dom herabzustürzen drohten, wurden von Mittag an immer größere Bereiche abgeriegelt. Dem Römisch-Germanischen Museum nutzten die Zäune nichts: Das berühmte Dionysos-Mosaik war abends mit Glasscherben bedeckt, nachdem die Holzabdeckung des Brunnens auf der Domplatte gut 100 Meter weit geflogen, gegen die Museumsscheiben gedonnert war und eines der großen Fenster samt Rahmen direkt auf das fünf Meter tiefer liegende Mosaik krachen lassen hatte. „Das muss sofort abgedichtet werden, denn der Temperatursturz und die Feuchtigkeit schaden den Kunstgegenständen“, sagte Museums-Verwaltungsleiter Bernhard Ostermann am Unglücksort. Ein Restaurator und ein Sachverständiger wollen sich heute ein Bild machen. Stadt wie leer gefegt
Schon die Ankündigung des Sturms hatte das Leben in der Stadt seit den Morgenstunden lahmgelegt: Aus Sorge um ihre Sicherheit taten viele Menschen das, was der Deutsche Wetterdienst geraten hatte: Sie blieben zu Hause. Die Straßen waren zeitweise so leer wie sonntags.
Das NRW-Schulministerium hatte den Schulleitungen freigestellt, ob sie die Schüler vorzeitig heimschickten - unter der Voraussetzung, dass die Eltern informiert würden. Das hat nicht in allen Fällen funktioniert; es gab einige Verärgerung. Auch etliche Kindertagesstätten und Kindergärten machten früher zu. Die Friedhöfe, der Botanische Garten und die Flora wurden gegen Mittag fürs Publikum geschlossen; ebenso der Zoo, nachdem zwei Arbeiter durch einen herabfallenden Ast verletzt worden waren. Raubtiere wurden nach Auskunft von Zoodirektor Theo Pagel in die sicheren Innengehege geholt.
Keine Beeinträchtigungen gab es bis zum Nachmittag am Flughafen Köln / Bonn. Im Gegenteil: Acht Maschinen, die in Frankfurt-Hahn und Dortmund nicht landen konnten, wichen nach Köln aus. Flugzeuge, die auf den Rollfeldern abgestellt waren, wurden jeweils mit sieben bis zehn Tonnen Sprit „sturmbetankt“, damit sie nicht umgeweht werden konnten, so Geschäftsführer Wolfgang Klapdor. Am Abend musste der Betrieb für eine halbe Stunde unterbrochen werden, zwölf Flüge fielen aus.
Bei Polizei und Feuerwehr gingen die Notrufe im Sekundentakt ein. Erkundungsfahrzeuge der Feuerwehr fuhren durch die Straßen und versorgten die Einsatzorte nach Prioritäten: „Sturm 1“ bedeutete: geringer Schaden. „Sturm 2“ bezeichnete meist lose Dachziegel oder umgestürzte Bäume, die den Verkehr behinderten. „Sturm 3“ bedeutete, dass Menschen in Gefahr waren. In Junkersdorf stürzte ein Baum auf ein Haus am Amselweg, wo gerade eine Kinderparty stattfand. Mehrere Kinder erlitten Schnitt- und Platzwunden. Ein Passant in der Nähe des Zoos wurde durch einen Ast verletzt; ein Autofahrer in Deutz von einem umherfliegenden Holzteil getroffen. Immer wieder wurden abends Straßen gesperrt, bis die Helfer umgestürzte Bäume oder herabgefallene Bauteile weggeräumt hatten. Das betraf auch Autobahnauf- und -abfahrten - schnell waren die Autobahnen um Köln dicht. Die Polizei kam am Abend mit der Bearbeitung der Notrufe kaum mehr nach. Die Leitstelle konnte die Einsätze nicht mehr koordinieren und hielt die einzelnen Wachen dazu an, selbstständig in ihrem Einsatzgebiet für Ordnung zu sorgen.
Stunden, nachdem die Deutsche Bahn den Verkehr eingestellt hatte, erbarmte sie sich der wartenden Fahrgäste und ließ im Hauptbahnhof Züge einfahren, damit die Kunden die Toiletten benutzen konnten. Einige Fahrgäste, die abends nicht mehr wegkamen, wurden aufgefordert, nicht in Hotels zu ziehen. Sie sollten in den Bahnen darauf warten, dass der Verkehr früh morgens wieder freigegeben würde. KVB am Abend lahmgelegt
Die KVB kam nachmittags mit zeitweiligen Beeinträchtigungen davon, abends waren dann aber fast alle Linien von Unterbrechungen betroffen. Die Sperrung der Haltestelle Neumarkt wurde erwogen.
An den Taxiständen herrschte Hochbetrieb, vor allem nach der Einstellung des Zugverkehrs. Taxi-Ruf-Chef Bernd Schößler sprach von einer Ausnahmesituation. Obwohl alle 1200 Fahrzeuge unterwegs seien, müssten die Kunden mit langen Wartezeiten rechnen.
Manch einem bescherte der Sturm aber ungewöhnliches Vergnügen: Constantin Kroll (25) und sein Mitbewohner beschlossen spontan, sich „Kyrill“ entgegenzustemmen. Die Sport-Studenten packten ihre Surfbretter in einen VW-Bus, riefen ein paar Freunde an und stürmten den Aachener Weiher. „Wir wollten die Ersten sein, die hier surfen“, sagt Constantin Kroll. Am frühen Nachmittag bretterten die Studenten über das Wasser - bis die Polizei ihnen den Wind aus den Segeln nahm. Weil surfen auf städtischen Gewässern nicht erlaubt ist, mussten sie ihre Neoprenanzüge und Bretter wieder einpacken.
Stürmische Zeit im Karneval. Die Roten Funken mussten mit Bedauern ihre SBK-Sitzung in der Mülheimer Stadthalle eine Viertelstunde vor Beginn abblasen, weil die Fahrdienste nicht für die Sicherheit der Besucher garantieren konnten. Sicherheitshalber sagten die Veranstalter des Musicals „Käpt'n Blaubär“ am Südstadion schon nachmittags die Vorstellung ab. Das Zelt war tatsächlich stark gefährdet. In Stammheim traute sich die Karnevalsgesellschaft Fürstenberg, in einem Festzelt nahe dem Großklärwerk zu feiern. Um 18 Uhr war aber Schluss: Die Feuerwehr konnte für die Sicherheit nicht mehr garantieren.

(Quelle: KSTA- Online vom 19.01.2007)