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NRW kam noch glimpflich davon






Das Orkantief „Xynthia“ hat eine Schneise der Verwüstung durch Deutschland geschlagen. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen ist der Sturm aber alles in allem glimpflich verlaufen. Schlimm ist die Lage in Frankreich.

DÜSSELDORF - Sprecher von Polizei, Feuerwehr, Wetterdiensten und Forstbehörden bilanzietren am Montag die Orkan-Schäden, während zugleich die Aufräumarbeiten anliefen. Der Schaden geht nach ersten Schätzungen zwar in die Millionen, "aber kein Vergleich mit Riesensturm Kyrill", war allenthalben zu hören. Für die Angehörigen der zwei NRW-Todesopfer muss das wie bittere Ironie klingen. In Pulheim bei Köln war eine Joggerin im Wald von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Eine 70-jährige Autofahrerin aus Ascheberg starb, als ein Baum auf ihren Wagen fiel. Die Zahl der Verletzten gibt die Polizei mit etwa 50 an.

Obwohl kleinere Straßen auch am Tag nach dem Orkan zum Teil noch gesperrt waren, lief der Verkehr bereits weitgehend wieder normal. Im Bahnverkehr kam es dagegen am Montag weiter zu Behinderungen. Am Sonntag hatte "Xynthia" für Stunden den kompletten Bahnverkehr lahmgelegt.

Seit Sonntagmittag waren Feuerwehren und Hilfsdiente zu mehr als 10.300 Einsätzen ausgerückt, berichtete ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums. Sie hätten vor allem bei umgestürzten Bäumen, abgedeckten Dächern und beschädigten Häusern helfen müssen. Die Kraft des Sturms war zum Teil gewaltig: So wehte eine Windböe auf dem Rhein bei Dormagen tonnenschwere Lukendeckel von Bord eines Schiffes. Der Starkregen ließ die Flüsse weiter anschwellen. Bis zum Montagmittag stieg der Rheinpegel bei Köln auf 6,76 Meter und überschritt damit die Hochwassermarke I von 6,20 Meter deutlich.

Vor allem in der Eifel gab es zum Teil erhebliche Schäden. In Aachen löste "Xynthia" eine Glaskuppel vom Dach eines Gymnasiums und schmetterte sie auf den Schulhof. Die rund 1200 Schüler bekamen am Montag aus Sicherheitsgründen schulfrei. "Zwölf weitere Glaskuppeln sollen auf ihre Standfestigkeit überprüft werden, ehe Schüler am Dienstag aufs Gelände gehen dürfen", teilte die Stadt mit. In dem kleinen Ort Müntz bei Jülich knickte der Orkan die Kirchturmspitze der katholischen Kirche St. Peter ab. Die filigrane Spitze donnerte nach Angaben der Gemeinde Titz ins Seitenschiff der Kirche. Bekannt ist die Kirche durch ihren spätgotischen Passionsaltar der Antwerpener Schule.

In Kalterherberg in der Eifel raste der Orkan mit einer Windgeschwindigkeit von 137 Stundenkilometern vorbei und erreichte damit den NRW-Rekord für das Wochenende, berichtete am Montag Fabian Ruhnau von der Unwetterzentrale des Bochumer Wetterdienstes meteomedia. An den Messstationen in Eschweiler und Aachen überrundete "Xynthia" mit Windgeschwindigkeiten von 131, beziehungsweise 122 Stundenkilometern jeweils die bei Vorgänger "Kyrill" im Januar 2007 gemessenen Spitzenwerte.

Großflächige Schäden in den Wäldern wurden aber anders als bei "Kyrill" nicht gemeldet. Es zeichne sich ab, dass vor allem einzelne Bäume wegen des nassen Bodens samt Wurzeln umgedrückt worden sind. Die Schäden würden derzeit aufgelistet, sobald alle Stellen wieder passierbar seien, sagte ein Sprecher des Landesbetriebes Wald und Holz NRW in Arnsberg. Der Regionalverband Ruhr schätzte für das Ruhrgebiet den Schaden auf nur 100 Festmeter Holz. Allerdings verboten die Behörden wegen der Gefahr von umstürzenden Bäumen das Betreten der Wälder im Kreis Siegen-Wittgenstein.

Nach dem meteorologischen Frühlingsbeginn am Montag soll es in den kommenden Tagen wieder kühler werden. In den Nächten sei wieder mit Frost zu rechnen, so dass es auf den Straßen auch wieder glatt werden könne, so der meteomedia-Sprecher. "Der Winter gibt noch nicht ganz auf", sagte Ruhnau.

Am Frankfurter Flughafen entspannte sich die Situation. Nach Angaben eines Sprechers starteten am Montagmorgen nur noch einzelne Maschinen mit einer Verspätung von bis zu 30 Minuten. Der Fernbahnhof des Flughafens war gegen 4.30 Uhr wieder geöffnet worden. Das Unwetter hatte am Sonntag für rund 240 Flugausfälle gesorgt.

Sarkozy in La Rochelle

Wesentlich schlimmer allerdings fällt die Orkan-Bilanz in Frankreich aus. Mindestens 50 Menschen starben, als in der Nacht zum Sonntag das Meer an der westfranzösischen Atlantikküste über die Deiche stieg und mehrere Ortschaften überschwemmte. Die Suche nach neun Vermissten lief auf Hochtouren.

Staatschef Nicolas Sarkozy sagte am Montag bei einem Besuch in L'Aiguillon-sur-Mer, das in der Katastrophenregion liegt, die Bilanz des Unwetters sei "entsetzlich". In der Hafenstadt La Rochelle sagte er, es müsse vollends geklärt werden, wie es zu diesem "nicht hinnehmbaren und unverständlichen Drama" kommen konnte. "Wir müssen uns fragen, wie in Frankreich im 21. Jahrhundert Familien im Schlaf überrascht werden und in ihrem Haus ertrinken können." Der Staatschef kündigte eine Nothilfe in Höhe von drei Millionen Euro für die Opfer der Naturkatastrophe an.

Sarkozy kündigte an, den Ausnahmezustand auszurufen, so dass die Opfer auch schneller von ihren Versicherungen entschädigt werden. Einen Tag nach dem Unwetter waren am Nachmittag noch immer 172.000 französische Haushalte ohne Strom, wie der Stromnetzbetreiber ERDF mitteilte. Die Feuerwehr fuhr in den betroffenen Ortschaften mit dem Schlauchboot von Haus zu Haus und suchte nach weiteren Überlebenden - vor allem in Häusern, deren Fensterläden verschlossen waren und bei denen nicht klar war, ob sie zum Zeitpunkt des Unwetters bewohnt wurden. (dpa, ddp, afp)



(Quelle: KSTA-Online vom 01.03.2010)