Zeitungsberichte und aktuelle Meldungen rund um die Freiwillige Feuerwehr Köln


Raketenangriff am Flughafen



Tim Stinauer


Fiktiver Raketenangriff auf ein Flugzeug auf dem Flughafen Köln/Bonn: Feuerwehr und Rettungskräfte hatten am Mittwoch einen spektakulären Einsatz. Dutzende Rettungsfahrzeuge aus dem gesamten Regierungsbezirk steuerten den Flughafen an.

Köln - 10.25 Uhr: Norbert Rosin ist bester Laune, und das, obwohl er seinen abgetrennten Arm in der Hand hält. Es ist ein Plastikarm. Rosin wird gleich einen der Verletzten spielen, er soll so tun, als sei ihm durch die Explosion ein Arm abgerissen worden. Eigentlich ist Norbert Rosin pensionierter Bundeswehrangehöriger, „aber die suchten hier noch jemanden, der sich in die Kälte legt“ - ehrenamtlich, versteht sich. Rosin lacht. Und so lobt denn auch der Vorsitzende des Reservistenverbandes, Rainer Schlage: „Da die »Verletzten« teilweise sehr lange unbeweglich bei den derzeitig herrschenden sibirischen Temperaturen im Freien auf dem Flughafengelände liegen werden, ist dieses Engagement besonders anerkennenswert.“ Dann wird es ernst. 10.32 Uhr: Es kracht, ein Feuerball steigt in die Luft, Rauchschwaden ziehen über das Rollfeld des Köln-Bonner-Flughafens. Laut Drehbuch haben Terroristen das Flugzeug vom Dach eines Kleintransporters mit einer Rakete beschossen. Als sich der Nebel lichtet, liegen aufwändig verkleidete Verletzten-Darsteller auf dem Boden. Sie sind mit Kunstblut beschmiert, winden sich und schreien um Hilfe - aber Rettung naht: Ein brauner Lieferwagen von UPS knattert vorbei, staunend besieht der Fahrer das Spektakel. „Wie kommt der denn hierher? Ich dachte, es ist alles abgesperrt“, wundert sich ein Polizist. Mit hektischen Gesten fordert ein Übungsteilnehmer in gelber Warnweste den überraschten und ahnungslosen Lieferanten auf, weiterzufahren.

10.33 Uhr: Die imposanten Trucks der Flughafenfeuerwehr halten vor dem Flieger. Wasser spritzen sie nicht, dafür ist es zu kalt. „Die Verletzungsgefahr wäre zu hoch“, erläutert ein Sprecher der Werkfeuerwehr. Streifenwagen der Bundespolizei kommen hinzu, Beamte sperren das Einsatzgebiet ab. In Polizei- und Feuerwehrwachen in der ganzen Stadt brechen Einsatzfahrzeuge jetzt zum Flughafen auf. Etwa 150 Blaulichtwagen rasen in Richtung Porz-Wahn.

10.50 Uhr: Auf dem Rollfeld bringen Feuerwehrmänner die Verletzten in ein eilig aufgebautes Rettungszelt. Je nach Schwere der Verletzung legen sie den Patienten rote, gelbe oder grüne Bändchen an. Sie werden in 13 Krankenhäuser in Köln und Umgebung gebracht - auch die hatten sich bereit erklärt, mitzuüben.

Gegen 11 Uhr: In der Feuerwache in der Scheibenstraße tritt der Krisenstab zusammen: Führungskräfte von Polizei, Feuerwehr, Stadt Köln, der Bezirksregierung und Hilfsorganisationen besprechen das weitere Vorgehen. Die Rede ist von 14 Toten und 77 Verletzten. Aus dem Kölner Umland fordert der Stab Unterstützung an. Insgesamt 2000 Männer und Frauen sind jetzt an der Übung beteiligt, es ist die landesweit größte Katastrophenschutzübung aller Zeiten. Sie kostet laut NRW-Innenministerium etwa 300 000 Euro.

11.15 Uhr: Etwa 30 irritierte Autofahrer haben sich schon über Notruf bei der Polizei und bei der Stadt gemeldet. Was es denn mit den vielen Einsatzfahrzeugen auf der Flughafenautobahn auf sich habe, und ob man sich Sorgen machen müsse, wollen sie wissen. Sie können schnell beruhigt werden. Die Übung war in den Medien angekündigt worden, aber offenbar hat das nicht jeder mitbekommen. Auch Flugzeugpassagiere, die im Landeanflug auf Köln das Spektakel von oben betrachten, werden von den Flugbegleitern aufgeklärt.

12.15 Uhr: Das zweite Übungsszenario beginnt. Ein leer stehendes Bundeswehrgebäude am Linder Mauspfad haben die Planer für heute zum Flughafenterminal umfunktioniert. Die Vorstellung: Ein Attentäter sprengt sich mit einer so genannten „schmutzigen Bombe“ in die Luft. Der Sprengsatz wurde mit radioaktivem Material vermischt. Bei der Explosion wird giftiges Cäsium freigesetzt. 30 Umstehende, darunter acht Spezialeinsatzkräfte der Polizei, werden verletzt oder kontaminiert.

Tatsächlich hat die Feuerwehr ein Behältnis mit schwach radioaktiv strahlendem Material im erstem Stockwerk des Gebäudes aufgestellt. „Es strahlt bis in etwa 30 Zentimeter Entfernung“, erklärt Feuerwehrsprecher Daniel Leupold. In sicherem Abstand führen Feuerwehrkräfte mit einer vier Meter langen Teleskopstange ein Messgerät an den Behälter heran, um die Intensität der Strahlung festzustellen.

13.00 Uhr: In einem Spezialzelt vor dem „Terminal“ bereiten sich Experten der Feuerwehr darauf vor, die 30 Betroffenen zu dekontaminieren. Die mobile Versorgungsstation trägt die sperrige Bezeichnung „Abrollbehälter zur Dekontamination Verletzter“, kurz AB Dekon-V. Sie kostet eine Viertelmillion Euro. Nach Unfällen oder Unglücken mit chemischen Stoffen können in dem Zelt in 90 Minuten 50 Menschen von den gefährlichen Substanzen gereinigt werden.

16.00 Uhr: Die Übung ist beendet. Die Einsatzkräfte packen das Material zusammen und fahren zurück auf ihre Wachen. Ein Fazit wollte noch keiner ziehen. Man wolle erst den Verlauf der restlichen Übungen im Kölner Umland am Mittwochabend abwarten. Ergebnisse sollen erst im März veröffentlich werden, hieß es aus dem Innenministerium.



(Quelle: KSTA- Online vom 28.01.2010)