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Feuerprobe in vier Minuten
Die Worringer Wehr ist 100 Jahre alt. Der Geburtstag der Löschgruppe wurde zusammen mit dem Stadtfeuerwehrtag gefeiert.


VON DIRK RISSE


Chorweiler - Andreas Könen ist eigentlich nicht das, was man einen harten Hund nennt. Doch im Brandschutzeinsatz verlangt er von seiner Mannschaft der Freiwilligen Feuerwehr Worringen (FF) Schnelligkeit, Geschick und Präzision. Wer patzt, müsse sich energische Worte von ihm anhören, sagt der Hauptbrandmeister. Und so stehen sie da, ein Dutzend Männer, bewaffnet mit gelben Helm, schweren Atemschutzgeräten und Spritzpistolen und warten auf Könens Kommando. Es ist nur eine Übung, aber Schnelligkeit und Präzision will er auch jetzt. Das Funkgerät knistert, die Schläuche blähen sich schon unter dem Wasserdruck. Und dann platzt ein Schlauch, rutscht ein Rohrverbindungsstück von einem anderen hinunter. Andreas Könen legt den Kopf schief, aber seine Männer bekommen das Problem in den Griff, erreichen den Gasbrand nach zwei Minuten, schießen nach drei Minuten das Wasser in die Flammen. Eine Minute später ist das Feuer gelöscht.

Die Gasbrand-Löschübung gehörte zu den spektakulären Höhepunkten des zweitägigen Festes, dass die Freiwillige Feuerwehr Worringen zu ihrem 100. Geburtstag ausgerichtet hatte. Tausende Besucher und viele Kollegen waren auf den Parkplatz des Ineos-Gelände gekommen und sahen unter anderem eine Gefahrgut-Übung des Löschzugs, mächtige Einsatzfahrzeuge der Berufsfeuerwehr und eine schöne historische Feuerwehrschau der Freiwilligen Feuerwehr aus Arloff-Kirspenich. Und das Deutsche Rote Kreuz hat eine Hundestaffel vorbeigeschickt, die sich auf einem kleinen Parcours präsentierte.

Im Jahr 1908, als die Worringer Feuerwehr gegründet wurde, hatte es noch nicht nach einer langen Tradition ausgesehen. Damals wurden die Löschmänner eher milde belächelt. Zu groß, zu überdimensioniert, schien der Bürgermeisterei eine eigene Feuerwehr für die kleine, damals selbstständige Gemeinde Worringen. Um ein paar Leitern und 300 Meter Schlauch mussten die Brandschützer damals kämpfen - der Etat von 53 Mark im Jahr reichte nicht, um das Gerät zu beschaffen. Doch schon zwei Jahre später konnte die Feuerwehr ihre Schlagkraft beweisen - als sie ein Großfeuer in der Fühlinger Ringofenziegelei löschte.

Seitdem hat sich viel getan: 57 000 Einsatzstunden haben die Worringer geleistet, allein 106 Einsätze im vergangenen Jahr. Die Löschmänner können bei Bränden, Hochwasser und Verkehrsunfällen auf fünf Einsatzwagen zurückgreifen und mit Hebekränen bis zu 210 Tonnen Gewicht stemmen. Sie haben damit den Großbrand in einem Pescher Baumarkt gemeistert, den Weltjugendtag mit abgesichert und 69 Sturmschäden beseitigt, die der Orkan „Kyrill“ 2007 hinterließ. Auch das Gerät kann sich mittlerweile sehen lassen: 8000 Liter Wasser können die 42 Mitglieder pro Minute in die Flammen spritzen. So viel wie in ein Schwimmbad passt. Würde sie ihre Schläuche aneinanderreihen, reichten sie über 3000 Meter weit, von Worringen bis Fühlingen.

Kein Wunder also, dass die Worringer in den 90er Jahren dreimal die Stadtfeuerwehrmeisterschaft gewonnen haben, die in diesem Jahr im Rahmen des Fests stattfanden. Während sich die Worringer mit der Rolle des Gastgebers begnügten, weil sich alle Feuerwehrleute um die Besucher kümmerten, lieferten sich 15 weitere Löschtrupps einen spannenden Kampf um den Titel. Es galt im dritten Stock eines Übungsturms einen Brand zu löschen und eine verletzte Person zu bergen. Nicht nur Schnelligkeit bewertetet die Kampfrichter, sondern auch die Einhaltung von Feuerwehrschutzrichtlinien. Am Ende hatte die Mannschaft aus Roggendorf die Nase vorn, gefolgt von Teams aus Ensen und Esch. Die Besucher, die dann noch nicht genug vom bunten Treiben hatten, machten sich auf den Weg in den Worringer Ortskern. Dort hatten die Geschäftsleute zum verkaufsfreien Sonntag eingeladen. Die meisten der 15 Händler räumten den Kunden kräftige Rabatte ein.

(Quelle: KSTA- Online vom 10.06.2008)