Zeitungsberichte und aktuelle Meldungen rund um die Freiwillige Feuerwehr Köln


Köln eine Nacht unter Wasser



VON TIM STINAUER


Keller laufen voll, unter einer Brücke bildet sich ein See und Haltestellen wurden überflutet. Mehr als 160 Notrufe gingen bei der Kölner Feuerwehr über Nacht ein. Auch die Freiwillige kam zu Hilfe.

KölnEs ist eine Stunde nach Mitternacht, als das „Deck 5“ absäuft. Aus den Kanalrohren unter der Gaststätte in der Innenstadt schießt Regenwasser in den Keller, zwanzig Minuten später stehen die Gewölbe teilweise hüfthoch unter Wasser. Wirt Dieter Merting ruft die Feuerwehr. Die Beamten rücken mit motorbetriebenen Pumpen an, leiten das Wasser durch Schläuche auf die Straße. Schnell funken sie Verstärkung herbei, denn der Sturzregen hat auch Keller angrenzender Wohnhäuser überflutet. Auf der Georgstraße schießen Fontänen in die Luft. Abflüsse sind verstopft, Gullideckel heben sich an.

Am schlimmsten trifft das Unwetter in der Nacht zum Dienstag die linksrheinischen Wohnviertel südlich der Aachener Straße. Aber auch in Porz laufen zahlreiche Keller voll, Straßen werden überflutet. Um der sprunghaft steigenden Zahl von Notrufen Herr zu werden, ruft die Leitstelle der Feuerwehr in Weidenpesch „Sonderalarm“ aus, das heißt: Die Beamten, die die Notrufe entgegennehmen, schicken nicht wie üblich auch gleich ein Fahrzeug zum Einsatzort. „Sie notieren nur kurz den Sachverhalt und geben ihn an einen Disponenten weiter, um sofort den nächsten Anruf annehmen zu können“, erklärt Feuerwehrsprecher Günter Weber.

161 Notrufe erreichen die Feuerwehr bis Dienstagvormittag, weit über hundert allein zwischen ein und vier Uhr in der Nacht. Ohne die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren geht jetzt nichts mehr. Die Einsätze werden nach Priorität geordnet und der Reihe nach abgearbeitet. Meldungen über Verletzte gibt es nicht, auch von Großeinsätzen bleiben die Rettungskräfte verschont. Es sind eher kleinere Einsätze - „davon aber sehr viele in sehr kurzer Zeit“, berichtet Feuerwehrsprecher Weber. In einer Messehalle in Deutz aktiviert der starke Regen einen Brandmelder, aus gleichem Grund gehen fünf weitere Fehlalarme aus anderen Stadtteilen bei der Feuerwehr ein. In zwei Häusern schlägt der Blitz ein, ein Dachstuhl brennt ab. Drei weitere Hausbrände werden schnell gelöscht.

Auf den weitgehend leeren Straßen sind gegen zwei Uhr fast nur noch Taxis und Löschfahrzeuge mit Blaulicht unterwegs. In Lindenthal, Bocklemünd und Sülz fallen zahlreiche Ampeln an großen Kreuzungen aus. Der Regen fällt so dicht, dass man als Autofahrer kaum einen Meter weit sehen kann. Wer von der Aachener Straße rechts auf die Innere Kanalstraße abbiegen will, bleibt in einem kniehohen Wasserloch stecken. Dasselbe auf dem Maarweg zwischen Vogelsanger und Widdersdorfer Straße. Unter der Autobahn 57 versperrt ein Streifenwagen mit Blaulicht die Äußere Kanalstraße - der Regen ist unter der Unterführung zu einem 50 Quadratmeter großen See zusammengeflossen, eine Durchfahrt ist nicht mehr möglich.

Auch die KVB kämpft mit den Wassermassen. Um 5 Uhr ist die Haltestelle Severinstraße derart überflutet, dass die Bahnen nicht mehr durchkommen. Die KVB-Leitstelle sperrt den Verkehr der Linien 3 und 4 über die Severinsbrücke, bis die Feuerwehr die Gleise frei gepumpt hat. Fahrgäste können den Rhein bis 6.30 Uhr nur mit den Linien 1 und 9 über die Deutzer Brücke oder über die Mülheimer Brücke überqueren. Am Klettenbergpark bringt eine Weichenstörung den Fahrplan der Linie 18 kurzzeitig durcheinander, ein Blitzeinschlag in einen Waggon der Linie 5 bleibt folgenlos. „Am Wagen ist kein nennenswerter Schaden entstanden“, berichtet KVB-Sprecher Joachim Berger.

Pünktlich mit Beginn des Berufsverkehrs entspannt sich die Situation auf den Straßen allmählich. Die Feuerwehr ist noch am Nachmittag mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

(Quelle: KSTA- Online vom 03.06.2008)