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Rettungsstress im Holz-Helikopter



von RAINER RUDOLPH


Die Notärztin beugt sich über den Patienten im engen Heck des Fluggeräts, die medizinischen Geräte blinken, und der Pilot springt in seinen Sitz. Abheben wird dieser Hubschrauber allerdings nie. Denn der Eurocopter EC 135 ist aus Holz, steht im Schulungszentrum der Kölner Berufsfeuerwehr, und der Patient ist in Wahrheit eine 55 000 Euro teure Puppe, deren Körperfunktionen von einem Computer gesteuert werden. Trotzdem wirkt die Szene sehr real, und die Teilnehmer des bundesweit angebotenen Kurses über „Intensivtransport“ in der Luftrettung schwitzen Blut und Wasser, bis sie ihre Aufgabe erfüllt haben.

Drei Tage lang lernen 54 Teilnehmer, darunter Ärzte, Rettungsassistenten und Pflegepersonal, wie man Schwerkranke und Schwerverletzte unter den Bedingungen intensivmedizinischer Betreuung auf dem Boden und in der Luft transportiert. Mit der Umstrukturierung des Gesundheitswesens tritt dieser Fall immer häufiger ein. „Hochspezialisierte Einrichtungen werden an wenigen Orten konzentriert, und die Patienten müssen über immer längere Wege dorthin transportiert werden“, erläutert Dr. Ralf Blomeyer, stellvertretender Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes. Die Statistik spricht eine klare Sprache. „Die Anzahl der Transporte in Köln ist innerhalb weniger Jahre um 100 Prozent gestiegen - von 250 auf 500 im Jahr“, so Blomeyer.

Das Training, bei dem die Teilnehmer vor allem das Arbeiten im Team erlernen sollen, wird in Zusammenarbeit mit der ADAC Luftrettung durchgeführt, die in öffentlichem Auftrag arbeitet. Die Luftrettung hält in Nordrhein-Westfalen mit „Christoph Rheinland“ in Köln und „Christoph Westfalen“ in Münster gleich zwei Intensivtransporthubschrauber bereit, ein privater Anbieter hat einen weiteren Hubschrauber im Ruhrgebiet stationiert. Auch das bereitet den Partnern in der Luftrettung Sorge: Trotz häufigerer Einsätze ist das Luftrettungsgeschäft des ADAC, zu dem mehr als 50 Hubschrauber an 32 Standorten gehören, seit Jahren defizitär. „Wir streben eine möglichst hohe Auslastung an“, sagt Blomeyer, „denn wir erwarten umgekehrt ja auch jederzeitige Einsatzbereitschaft.“ Trotzdem werde in jedem Einzelfall nach dem Wohl des Patienten entschieden, wer den Auftrag zum Transport des Patienten auf dem Boden oder in der Luft bekommt.

(Quelle: www.ksta.de vom 31.03.2008)