Zeitungsberichte und aktuelle Meldungen rund um die Freiwillige Feuerwehr Köln


„Infiziert mit dem Feuerwehr-Virus“



VON ULI KREIKEBAUM


Eine Frau wird unsere Feuerwehr-Chefin - kann das gut gehen? Hat sie die Fähigkeiten für einen Job, den seit jeher Männer gemacht haben? Nicht selten war ich mit solch kritischen Fragen konfrontiert. Vor gut 100 Tagen habe ich meine Stelle als Verantwortliche der hauptamtlichen Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Dormagen angetreten. Gemeinsam mit Werner Rieck, der die Freiwillige Feuerwehr leitet, bilde ich die Doppelspitze der Feuerwehr Dormagen. Der Feuerwehrberuf ist eine Männerdomäne, eine Frau an der Spitze hatte es vorher noch nicht gegeben. Ich war darauf eingestellt, dass da besonders kritisch geguckt wird. Die eigenen Leute habe ich - wie ich hoffe und glaube - mittlerweile davon überzeugt, dass ich es kann. Wenn skeptische Töne von außen kommen, nehme ich es mit einem Lächeln - daran bin ich gewöhnt, seit ich vor ungefähr 20 Jahren zum ersten Mal mit der Feuerwehr in Berührung gekommen bin. Per Zufall war das: Als Jura-Studentin habe ich einen Ferienjob bei einem großen Chemieunternehmen in Leverkusen gemacht. Vom Bürofenster aus habe ich die Feuerwehrwache gesehen und beobachtet, wie dort für Einsätze geübt und im Ernstfall gehandelt wurde. Das hat mich fasziniert. Im folgenden Jahr habe ich die Chance bekommen als Werkstudentin bei der Feuerwehr zu arbeiten, danach war ich endgültig mit dem Feuerwehr-Virus infiziert. Sehr zum Missfallen meiner Eltern habe ich Jura geschmissen, stattdessen Sicherheitstechnik studiert und ein Referendariat bei der Feuerwehr angeschlossen. Mein Arbeitstag beginnt um sieben Uhr. Ich melde mich bei der Feuerwehreinsatzzentrale an und informiere mich über die aktuelle Lage im Büro. Dann checke ich E-Mails, reflektiere die Einsätze des vergangenen Tages, um acht Uhr bin ich meist dabei, wenn die Wachabteilung antritt und die Dienstaufträge verteilt werden, anschließend machen wir eine kurze Gesprächsrunde unter den Führungskräften. Heute morgen hatte ich ein Personalgespräch, gleich fahre ich zum Bürgermeister, um mit ihm über die Personalsituation bei der Feuerwehr zu sprechen. Am Nachmittag besichtige ich dann auf Einladung des Stadtrates als Gast eine Müllverbrennungsanlage. Und um 19 Uhr arbeiten wir auf der Wache in einer Arbeitsgruppe weiter an der „Alarm- und Ausrückordnung“ der Feuerwehr Dormagen. Wenn während eines Termins etwas passiert, breche ich den Termin ab und fahre mit zum Ort des Geschehens. Zu den normalen Aufgaben kommen im Moment sehr viele Medientermine - über eine Frau an der Spitze einer Feuerwehr will offenbar jeder berichten. Allein in den letzten vier Tagen hatte ich zehn Anfragen, von der Menge her ist das grenzwertig. Zum einen, weil wir auch so genug zu tun haben, zum anderen, weil ich nicht ständig im Mittelpunkt stehen möchte, schließlich sind wir hier ein Team. Überhaupt denke ich, die Journalisten sollten mehr über meinen Mann schreiben: Der übernimmt - entgegen des klassischen Rollenverständnisses - die Erziehung unserer beiden Kinder und hat zusätzlich einen Halbtags-Job. Mir klopfen derzeit viele Leute auf die Schulter und sagen: Mensch, klasse, dass du das machst. Meinem Mann auf die Schulter klopfe vor allem ich. Nebenbei hat er nach einem zweijährigen Abendstudium übrigens mal eben seinen Sparkassenbetriebswirt gemacht.

(Quelle: KSTA- Online vom 09.02.2007)