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Chemiebrand: "Gefahr höchstens für Einsatzkräfte"



VON TIM STINAUER


1. Wie stark waren die gesundheitlichen Belastungen durch den Störfall tatsächlich?

Eine eindeutige Antwort ist nicht möglich. Die gemessenen Schadstoffwerte in der Luft am Dienstag seien in unmittelbarer Nähe des Chemiewerks leicht erhöht, aber „absolut unbedenklich“ gewesen, sagt ein Sprecher der Stadt. Mit jedem Straßenzug, der weiter vom Werk entfernt lag, habe sich die Belastung weiter reduziert, berichtete eine Chemikerin des Landesumweltamtes. Fakt ist: Laut Gesetz kann ein gesunder Arbeiter während seines Berufslebens täglich einer Dauerbelastung von drei ppm (Teile pro Million) Acrylnitril ausgesetzt sein, ohne Schäden fürchten zu müssen. Die in Worringen gemessenen Werte lagen an wenigen Stellen im Wohngebiet und nur zeitweise bei maximal fünf ppm. Landesumweltamt und Landwirtschaftskammer nehmen Bodenproben im Wohngebiet und auf umliegenden Äckern.

2.Sollte man im Zweifel einen Arzt aufsuchen?

Wer große Mengen Acrylnitril eingeatmet hat, bei dem können Abbauprodukte des giftigen Stoffs im Blut nachgewiesen werden, sagte ein Mediziner der ärztlichen Abteilung des Chemieparks. Gefährdet seien jedoch höchstens Einsatzkräfte, die längere Zeit und ohne Atemschutz unmittelbar an der Unglücksstelle eingesetzt waren. Bei Anwohnern sei die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Schäden extrem gering. Unter der Telefonnummer 0 21 33 / 5 19 93 33 leitet die Firma Ineos Fragen von besorgten Anwohnern gegebenenfalls an die Ärzte weiter.

3.Ist die Ursache für den Störfall inzwischen geklärt?

Nein. Polizei, Staatsanwaltschaft, Firmenvertreter und Sachverständige ermitteln noch, warum das Gas Ethylen aus der Pipeline austreten und sich entzünden konnte. Auch die Schadenshöhe ist unklar.

4.Wann wurden die Anlagen bei Ineos zuletzt kontrolliert?

Der Betrieb fällt unter die „Störfallverordnung“, weil er große Mengen gefährlicher chemischer Stoffe verarbeitet. Er unterliegt verschärften Sicherheitsanforderungen und wird alle zwei Jahre komplett von der Bezirksregierung überprüft. Die letzte Kontrolle gab es 2006, die nächste findet kommendes Quartal statt, sagte ein Behördensprecher. Die Ethylen-Gasleitung ist nach Angaben eines Unternehmenssprechers 30 Jahre alt. Das sei Standard in allen petrochemischen Unternehmen. Die Leitungen würden immer wieder erneuert und ständig überprüft.

5. Läuft die Produktion bei Ineos wieder?

Ja, mit Ausnahme des Ethylen-Exports. Solange die Ursache für das Leck in der Rohrleitung unklar ist, bleibt die Pipeline außer Betrieb, teilte eine Sprecherin des Chemiewerks mit. In Deutschland und Teilen der Niederlande besteht ein Ethylen-Pipelinesystem zum Transport zwischen den einzelnen Chemiestandorten von Rotterdam über Antwerpen in den Raum Köln.

(Quelle: KSTA vom 19.03.2008)