Zeitungsberichte und aktuelle Meldungen rund um die Freiwillige Feuerwehr Köln


Größere Gefahr für Anwohner?






München/Köln - Der bei dem Großbrand in einem Chemiewerk in Köln freigesetzte Giftstoff war womöglich für die Anwohner gefährlicher als bislang angenommen. "Die krebserregende Chemikalie Acrylnitril bedeutete zeitweise eine Belastung für die Bevölkerung", zitiert das Nachrichtenmagazin "Focus" in einem Vorabbericht vom Freitag eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Der giftige Stoff entwich demnach über mehrere Stunden aus dem brennenden Tank. Laut Landesumweltamt seien in Wohngebieten in der Nähe des Chemiewerks "zeitweise an einzelnen Stellen" Werte von fünf ppm (Teile pro Million) gemessen worden, berichtet das Magazin. Für Acrylnitril liege der zugelassene Grenzwert bei drei ppm.

Chemikalie wird abgepumpt

Vier Tage nach dem Großbrand wird der Tank mit giftigem Acrylnitril geleert. Der Inhalt werde in einen benachbarten Tank umgefüllt, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am frühen Freitagmorgen. Auch während der Umfüllung soll nach Angaben der Stadt Köln gemessen werden, ob erhöhte Schadstoffwerte in der Luft sind.

Der Brand wurde möglicherweise durch Pannen bei Wartungsarbeiten an der Gas-Pipeline verursacht worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln sagte am Donnerstag, zeitnah vor Ausbruch des Feuers hätten zwei Arbeiter die Wartungsarbeiten durchgeführt. Ob Pannen bei diesen Arbeiten der Grund für den Ausbruch des Brandes seien, müsse nun ein Sachverständigen-Gutachten klären.

Die beiden Arbeiter würden die Aussage verweigern und sich anwaltlich vertreten lassen, so Oberstaatsanwalt Alfred Willwacher. Die Ermittler der Polizei und auch die Gutachter hätten derzeit noch Schwierigkeiten, den Brandort zu untersuchen. Das Gelände könne noch nicht gefahrlos betreten werden.

Das betroffene Unternehmen wollte sich zu den Ermittlungen gegen die beiden Arbeiter nicht äußern. Eine Sprecherin sagte, man mache keine Angaben dazu, ob es sich um Arbeiter des eigenen Unternehmens handele oder um Monteure einer Fremdfirma.

BUND erstattet Strafanzeige

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Begründung laute "schwere Gefährdung der Bevölkerung durch die Freisetzung von Giften und die Luftverunreinigung durch das hochgiftige Acrylnitril", sagte der BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen am Donnerstag in Köln. In dem Chemiewerk Ineos war am Montag durch eine 15 Meter hohe Stichflamme in einer undichten Ethylen-Gasleitung ein Großfeuer ausgelöst worden. Dabei war eine giftige Rauchwolke entstanden.

Es bestehe der Verdacht des Verstoßes gegen die Störfallverordnung, sagte Jansen. Außerdem forderte der BUND das Umweltministerium Nordrhein-Westfalen auf, "die Geheimniskrämerei um die Betriebsbereiche, die der Störfallverordnung unterliegen, zu beenden". Die Störfallverordnung regelt unter anderem den räumlichen Abstand von Industrieanlagen - wie dem Chemiewerk in Köln - zu Wohnsiedlungen. Sie gilt für alle Betriebe, in denen eine hohe Menge gefährlicher Stoffe verarbeitet wird.

Zwar wisse man, dass es rund 450 solcher Anlagen gebe, aber nicht welche, sagte Jansen. Diese Informationen würden mit Verweis auf "vermeintliche Terrorismusgefahren" verweigert. Auch würden dem BUND keine Sicherheitsberichte und Risikoanalysen der Betriebe vorgelegt. "Die Bevölkerung hat aber ein Anrecht darauf, zu wissen, was vor ihrer Haustür passiert." Das NRW-Umweltministerium hatte am Mittwoch angekündigt, das Pipelinesystem in NRW intensiver zu untersuchen.

Bei dem Unglück am Montag war der Brand im Bereich einer Ethylen-Pipeline ausgebrochen, die Flammen hatten anschließend auf einen mit Acrylnitril gefüllten Tank übergegriffen. 1200 Feuerwehrleute aus ganz Nordrhein-Westfalen waren knapp zehn Stunden mit den Löscharbeiten beschäftigt. Für die Kölner Feuerwehr war es der größte Einsatz seit dem Zweiten Weltkrieg. (ddp)

(Quelle: www.ksta.de vom 20.03.2008)