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Feuerwehr gibt Entwarnung für Worringen



(dpa,ddp,EB)


Köln - Die Lage nach dem Brand eines Chemiekalientanks auf dem Gelände der BP-Tochter Ineos in Köln-Worringen entspannt sich. Die Feuerwehr gab am Dienstagabend Entwarnung. Zuvor habe sie den Tank mit einer sechs Meter hohen Schaumschicht weitgehend abgedichtet, teilte die Stadt Köln mit. Die vorsorglichen Warnhinweise für die Anwohner wurden aufgehoben. Fenster und Türen könnten wieder geöffnet werden, auch der Aufenthalt im Freien sei wieder gefahrlos und uneingeschränkt möglich, hieß es. Diese Hinweise würden druch Lautsprecherwagen kommuniziert.

Die Feuerwehr habe an mehreren Stellen in Worringen viertelstündlich die Schadstoffkonzentration in der Luft gemessen. Sie sei kontinuierlich gesunken. Grenzwertüberschreitungen habe es nur punktuell gegeben.

Bei dem Feuer am Montagnachmittag war eine giftige Rauchwolke entstanden, die nach Angaben der Feuerwehr in mehreren hundert Metern Höhe über das Stadtgebiet von Köln zog. Vom Nachmittag bis Mitternacht hatte die Feuerwehr mit einem Großaufgebot gearbeitet, dann erst war der Großbrand unter Kontrolle. Die letzten Flammen seien mit Hilfe eines Schaumteppichs erstickt worden, teilte die Stadt Köln mit. 1 200 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Für die Kölner Feuerwehr war es der größte Brandeinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der durch den Brand stark erhitzte Tank mit hochgiftigem Acrylnitril war die ganze Nacht über gekühlt worden. Das am Montag wegen starker Rauchentwicklung gesperrte Teilstück der Autobahn 57 sowie die S-Bahn-Strecke zwischen Neuss und Köln wurden am Dienstagmorgen wieder freigegeben.

Erhöhte Schadstoffkonzentration

Für die Anwohner ist das Bangen aber noch nicht zuende: An drei Stellen in der Nähe des Werks wurden Giftstoffe in der Luft gemessen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr am Dienstag. Dabei seien die zulässigen Grenzwerte für Acrylnitril leicht überschritten worden. Anwohner sollten vorsorglich Fenster und Türen schließen sowie die Klimaanlagen ausschalten. Auch der Aufenthalt im Freien sollte auf das Nötigste beschränkt werden. Am Dienstag schlossen vorsorglich einige Kindergärten. "Im Grunde genommen sehen wir keine Gefährdung, aber wir wollten auf Nummer sicher gehen", sagte Hans Hagen von der Ineos-Werksfeuerwehr.

Die Ursache des Brandes ist nach wie vor unklar. Auch der entstandene Schaden kann nach Angaben von Ineos-Geschäftsführer Patrick Giefers noch nicht geschätzt werden. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten und verstehen sehr gut die Angst, die die Bevölkerung hat", sagte Giefers auf einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag. Giefers betonte, zu keiner Zeit habe eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden.

Anwohner und Mitarbeiter schockiert

Das Horrorszenario hatte am Montagnachmittag mit einem gewaltigen Knall begonnen, 15 Meter hohe Flammen stiegen vom Gelände der Chemiefirma Ineos auf. Eine Rauchsäule breitete sich über dem Gelände aus, dunkle Wolken zogen in 200 Meter Höhe in Richtung Innenstadt. Polizeihubschrauber stiegen auf, die Besatzung beobachtete das Feuer aus der Luft. Polizisten sperrten umliegende Straßen, die Autobahn 57, stoppen den S-Bahn-Verkehr zwischen Köln und Neuss. Anwohner wurden gebeten, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Feuerwehr bereitete sich auf den Ernstfall vor, den sogenannten „Massenanfall von Verletzten und Erkrankten“. Dutzende Rettungswagen aus Köln und Umgebung wurden vor der Hauptwache in der Scheibenstraße in Weidenpesch zusammengezogen.

Gegen 14.30 Uhr war aus einer undichten Rohrleitung im Chemiepark Ethylen entwichen, ein Gas, das in der chemischen Industrie zur Herstellung von Kunststoff verwendet wird. Das Gas entzündete sich, eine Stichflamme stieg empor und griff auf einen Tank mit giftigem Acrylnitril über, einer Komponente für Klebstoffe. Einige Ineos-Angestellte waren vom Anblick der enormen Flammen derart geschockt, dass sie sich in psychologische Behandlung begeben mussten. Am Dienstag betonte Geschäftsführer Patrick Giefers, alle Mitarbeiter seien erschüttert über den Zwischenfall: "Die Stimmung ist im Unternehmen extrem schlecht."

„Großer Schaumangriff”

Das größte Problem für die Feuerwehr war der brennende Tank mit dem Acrylnitril. Der Tank wurde zunächst gekühlt, dann erstickte die Feuerwehr die Flammen mit einem Schaumteppich, für den riesige Mengen Wasser aus dem Rhein gepumpt wurden. Zeitweise wurden jede Minute 55 000 Liter Wasser verbraucht. Der "große Schaumangriff" wie ihn die Feuerwehrleute nannten, musste gleich beim ersten Mal Erfolg haben, da sonst noch schwerer zu kontrollierende chemische Reaktionen möglich gewesen wären.

Die Flammen aus der Ethylen-Leitung konnte die Feuerwehr nicht löschen. Stattdessen stellten Techniker die Pipeline von Antwerpen nach Marl im Kölner Raum ab und ließen die Reste an Ethylen kontrolliert verbrennen. Obwohl eine Explosion verhindert werden konnte, verursachte das heftige Austreten des Gases nach Angaben der Feuerwehr aber einen "düsenwerk-ähnlichen Krach".

Auf die Frage, ob Köln nur knapp einer Katastrophe entgangen sei, wollten Ineos und die Berufsfeuerwehr am Dienstag nicht eingehen. "Das wäre reine Spekulation", sagte Giefers. Hans Hagen von der Werksfeuerwehr sagte, auch bei einer sehr ungünstigen Wetterlage wäre das eigentlich nicht zu befürchten gewesen.

Mehrere Menschen leicht verletzt

Gegen Mitternacht gelang es der Feuerwehr, das Feuer in der Ethylen-Leitung zu löschen. Zur gleichen Zeit war der Schaumteppich um den Tank gelegt worden. Die undichte Ethylen-Gasleitung ist nach Angaben von Patrick Giefers 30 Jahre alt. "Das ist Standard in allen petrochemischen Unternehmen", sagte er. Die Leitungen würden immer wieder erneuert und ständig überprüft.

Ineos-Werksarzt Ulrich Ochs sagte am Dienstag, es seien kaum Klagen über gesundheitliche Beschwerden eingegangen, was erstaunlich sei, da es bei einem Vorfall dieser Größenordnung eigentlich immer auch psychosomatische Reaktionen von Anwohnern gebe. Dagegen teilte die Stadt Köln mit, es seien insgesamt drei Menschen am Montag wegen Hautreizungen ärztlich behandelt worden. Zwei Mitarbeiter eines nahe gelegenen Supermarktes wurden in einem Krankenhaus untersucht, konnten die Klinik aber wieder verlassen. Bei ihnen seien keine Schadstoffe im Urin und im Blut festgestellt worden, berichtete die Stadt Köln. Ein weiterer Betroffener sei von einem Hausarzt untersucht worden. Auch er konnte danach wieder nach Hause. Unter der Nummer 0700/0221-1111 oder 02133/519-9333 hat die Stadt ein Bürger-Telefon für weitere Fragen eingerichtet. Auch bei Ineos können sich unter 02133-5199333 Anwohner informieren. Etwa 1400 Anwohner machten bis zum Dienstagnachmittag Gebrauch von den angebotenen Telefon-Hotlines.

(dpa,ddp,EB)

(Quelle: KSTA Online vom 18.03.2008)